Skolnet

17. Januar 2012
von Marek Breuning
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Was ist die genuine Aufgabe von Schule?

Im Fol­gen­den ein sinn­ge­mäß zusam­men­ge­fass­ter Aus­schnitt aus einem Vor­trag, den ich gerade höre:

„Es geht in der Schule nicht darum, dass wir die Kul­tur­gü­ter (Lesen, Schrei­ben, Rech­nen) von einer in die nächste Gene­ra­tion brin­gen. Es geht darum, dass wir den Geist immer wie­der neu ent­fa­chen, der diese Kul­tur­gü­ter her­vor­ge­bracht hat.” (Hein­rich Roth, dt. Pädagoge)

Das Pro­blem ist nur, dass wir das in der Schule nicht mes­sen kön­nen. Des­we­gen mes­sen wir lie­ber, ob Schü­ler Deutsch, Mathe und Eng­lisch kön­nen. Aber ob sie den Geist erfah­ren haben, der sie zu begeis­ter­ten Ler­nern macht, mit des­sen Hilfe, sie sich all das erschlie­ßen, das bleibt auf der Stre­cke. Und dann wird Ler­nen regel­recht zu müh­sa­mer Arbeit, zu der man jedes Mal „hin­ge­peitscht” wer­den muss. Das funk­tio­niert auch. Man nennt das Abrich­tung oder Dres­sur. Das Pro­blem dabei ist nur, dass die Freude am Gestal­ten, mit der man als jun­ger Mensch in die Welt hin­aus­geht, kaputt gemacht wird, weil man die Erfah­rung macht, dass es nicht dar­auf ankommt, zu ent­de­cken und zu gestal­ten, son­dern in ers­ter Linie dar­auf, zu gehor­chen. Diese Men­schen haben dann keine Lust mehr am Ler­nen und kön­nen lang­fris­tig ein gro­ßes Pro­blem bekommen.

Ein Bei­spiel: Mei­ner Oma wurde „Die Glo­cke” von Schil­ler, wie sie erzählte, mit der Rute beige­bracht. Das Gedicht konnte sie bis ins hohe Alter von 85 Jah­ren auf­sa­gen. Aber jedes­mal, wenn sie an Gedichte dachte, bekam sie ein flaues Gefühl im Magen. Sie hat selbst auch nie wie­der Gedichte geschrie­ben oder jemals gemocht. Aber das Ziel war den­noch erreicht: Das Kul­tur­gut „Die Glo­cke” von Schil­ler ist über­lie­fert wor­den, ihre - mög­li­che - Begeis­te­rung an der Poe­sie ist dabei ver­lo­ren gegangen.

Quelle:

Wei­tere Inhalte des Videos (15 min lang): Wie wir Kin­dern vor allem Mäd­chen Mathe­ma­tik madig machen, Grund­be­dürf­nisse Ver­bun­den­heit und Wachs­tum, über das Erzeu­gen von Ersatz­be­frie­di­gun­gen (z.B. Bal­ler­spiele), Kin­der brau­chen Auf­ga­ben, an denen sie wach­sen kön­nen, Was sind Auf­ga­ben, an denen man wach­sen kann?, Dis­zi­pli­nie­rung erzeugt Gehor­sam, Dis­zi­plin erzeugt man nur, wenn Kin­der den Nut­zen von Dis­zi­plin erfahren!

Nach­trag: In mei­nem Kalen­der stand am 16.1. die­ses Zitat: „Man kann einen Men­schen nichts leh­ren, man kann ihm nur hel­fen, es in sich selbst zu ent­de­cken.” (Gali­leo Gali­lei) Dar­un­ter der Begleit­kom­men­tar: „…Geben Sie Ihren Mit­ar­bei­tern Auf­ga­ben, bei deren Erfül­lung sie ihre Talente selbst ent­de­cken. Nichts wirkt motivierender!”

17. Januar 2012
von Marek Breuning
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Wave with this hands!

„Wave with this hands…” Dabei kann ich mir ein brei­tes Grin­sen nicht ver­knei­fen! ;-) Das Häschen-Zeichen kann ich auch schon. :-)

Die Aus­sage, dass das alles so unauthen­tisch sei, kann ich durch­aus nach­voll­zie­hen. Ich bin zwei­spra­chig auf­ge­wach­sen und mir fällt es bis heute(!) sehr schwer, mit mei­ner Mut­ter auf deutsch zu spre­chen, obwohl sie es flie­ßend spricht. Es fühlt sich für mich ein­fach nicht echt an!

Schule 2.0

15. Januar 2012 von Marek Breuning | 3 Kommentare

Quelle: Wolf­gang Weicht auf Slideshare.net

„Schü­ler von heute wer­den durch Leh­rer von ges­tern auf die Auf­ga­ben von mor­gen vor­be­rei­tet.” (Ver­fas­ser unbe­kannt, in: H. Bro­sche, S.122)

„Wir müs­sen Leute für eine Welt aus­bil­den, von der wir nicht wis­sen, wie sie aus­se­hen wird.” (T. Robert­son, Dekan an der Wirt­schafts­hoch­schule Whartonan)

22. Dezember 2011
von Marek Breuning
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Ich kämpfe täglich mit deutschen Müttern!

Bereits ver­gan­ge­nes Jahr ver­wies ich auf ein Inter­view mit dem Fami­li­en­the­ra­peu­ten Jesper Juul. Da ich es auch mit Abstand betrach­tet immer noch als eines der wert­volls­ten Gesprä­che halte, die ich in den letz­ten Jah­ren las, will ich an die­ser Stelle noch­mals dar­auf hinweisen.

Einige Aus­züge:

  • …Kin­der haben ja heute kaum noch Zeit für sich, sie haben kei­nen erwach­se­nen­freien Raum…
  • …Bis neun, zehn machen die Kin­der alles mit. Sie glau­ben, sie hät­ten die bes­ten Eltern der Welt. Ab zwölf, drei­zehn sagen man­che: Fuck you, ich mache das nicht…
  • …Poli­ti­ker reden, als ob Bil­dung alle Pro­bleme lösen könnte – und als ob unsere Gesell­schaft keine Kell­ner oder Köche brauchte, son­dern nur Aka­de­mi­ker … Man sollte auf­hö­ren, Kin­der als reine Res­source anzusehen…
  • …Kin­der kön­nen von ihren Eltern nicht mehr ler­nen, wie man sich entspannt…
  • …Kin­der sol­len folg­sam sein. Damals, also in den fünf­zi­ger, sech­zi­ger, sogar in den sieb­zi­ger Jah­ren, hat das irgend­wie gepasst…
  • … jede Zeit  hat ihre Erziehung…
  • …Dass die Idee der Kon­se­quenz so erfolg­reich ist, hat mit einem Miss­ver­ständ­nis zu tun…
  • …Ich kann nicht als Mensch inkon­se­quent sein und dann die Mut­ter­rolle spie­len und sagen, jetzt muss ich aber kon­se­quent sein…
  • …In Deutsch­land sind es acht bis zehn Pro­zent, würde ich sagen – die soll­ten so wenig Zeit wie mög­lich mit ihren Eltern ver­brin­gen, von Geburt an…
  • …Beloh­nung, die post­mo­derne Ver­sion von Bestra­fung, sollte man verbannen…
  • …Wenn man ein Kind will, das ein­fach nur funk­tio­niert, ohne nach­zu­den­ken, ist Lob eine prak­ti­sche Sache…
  • …Jah­re­lang waren Eltern sich ihrer Sache immer sicher, die Leit­mo­tive der Erzie­hung waren Dis­zi­plin, Ord­nung und Respekt. Für diese Sicher­heit haben die Kin­der einen hohen Preis bezahlt…
  • Die Super Nanny ist ja Erzie­hung­spor­no­gra­fie – was man da sieht, ist so wenig Erzie­hung, wie Ero­tik ist, was man in Por­no­fil­men sieht…
  • …es gibt keine glück­li­chen Kin­der ohne glück­li­che Eltern…
  • …Vie­len die­ser Kin­der geht es in der Puber­tät sehr schlecht. Sie haben keine Ahnung, wie man auf Ent­täu­schun­gen rea­giert … Das sind diese Wat­te­kin­der. Die sind immer ein­ge­packt und dür­fen kei­ner Gefahr aus­ge­setzt werden…
  • …sie brau­chen Eltern, die sie füh­ren. Es gibt so viele päd­ago­gi­sche Eltern. Neo­ro­man­ti­ker, die nie Nein sagen und des­we­gen unheim­lich viel reden müssen…
  • …Das Pro­blem ist ja, dass Kin­der heute viel zu viel Auf­merk­sam­keit bekommen…
  • …Es gibt zwei Sätze, die sehr wich­tig sind. Der erste lau­tet: Wenn man im Zen­trum steht, ist man immer ein­sam – das gilt nicht nur für Chefs, son­dern auch für Kin­der. Der zweite: Kin­der for­dern viel Auf­merk­sam­keit, aber sie brau­chen nicht so viel, wie sie fordern…

Hier geht’s zum voll­stän­di­gen Inter­view: Ich kämpfe täg­lich mit deut­schen Müttern

3. Dezember 2011
von Marek Breuning
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Schlechte Noten

Ein wei­te­rer inter­es­san­ter Arti­kel zu den The­men Noten, Ver­bal­be­ur­tei­lung, der Ver­gleich­bar­keit von Beur­tei­lun­gen, Nach­hilfe und gestress­ten Eltern:

Schlechte Noten: Fami­lie im Stress?
Zen­su­ren sind Grund für Freu­den­sprünge, aber auch für bit­tere Trä­nen. Fal­len die Noten in den Kel­ler, sind nicht nur die Kin­der, son­dern auch die Eltern am Anschlag. Dabei gibt es gute Gründe, wes­halb man Zen­su­ren nicht über­be­wer­ten darf. …
(Fort­set­zung bei Swiss­fa­mily)

Eine Kol­le­gin und selbst Mut­ter von zwei Kin­dern, die den Arti­kel bei Swiss­fa­mily gele­sen hat, rief mich eben an und sagte: „Weißt du, der Druck, den Eltern erle­ben, wird ihnen auch von man­chen Leh­rern gemacht, indem sie sagen: Sie (die Eltern) müs­sen mit dem Kind mehr üben, üben, üben. Dabei tun viele Eltern genau das und es ver­bes­sert sich trotz­dem nichts / wenig. Als Eltern­teil fühlt man sich vom Leh­rer ver­ant­wort­lich gemacht und von ihm ‚beschul­digt’, dass das Kind schlecht ist.” Das merkt man an Aus­sa­gen von Eltern, wie zum Bei­spiel: „Wir müs­sen noch für die Mathe­ar­beit üben.”

Ich denke, wenn man ein­mal den Weg der Beschul­di­gung ein­ge­schla­gen hat, egal, ob von Sei­ten der Leh­rer an die Eltern oder umge­kehrt, ist das Kind letzt­end­lich der Leid­tra­gende. Warum? Weil die Wahr­schein­lich­keit steigt, dass sich Eltern und Leh­rer gegen­sei­tig mei­den. Beide Sei­ten schie­ben sich dann die Ver­ant­wor­tung für die schwa­chen Leis­tun­gen des Kin­des zu - die Leh­rer den Eltern, aber auch ent­täuschte Eltern den Leh­rern. Ganz im Sinne von: Irgend­je­mand muss ja Schuld sein. Dabei sollte es doch darum gehen, die Kom­pe­ten­zen von Eltern und Leh­rern zu bün­deln, um das Best­mög­li­che aus dem Kind „herauszuholen”.

3. Dezember 2011
von Marek Breuning
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Buch: Warum es nicht so schlimm ist…

Heute bin ich auf ein, wie es scheint, viel­ver­spre­chen­des Buch gestoßen:

Warum es nicht so schlimm ist, in der Schule schlecht zu sein - Schul­schwie­rig­kei­ten gelas­sen meistern

von Hei­de­ma­rie Bro­sche - Inter­view zum Buch: Wenn immer alles glatt­geht, tut man sich spä­ter oft schwer

Die Rezen­sio­nen hören sich inter­es­sant an. So schreibt jemand darüber:

„Nach der Lek­türe die­ses Buches hat man wirk­lich das Gefühl, sich den unter­schied­lichs­ten Schul­schwie­rig­kei­ten sei­nes Kin­des gelas­se­ner stel­len zu kön­nen. Hei­de­ma­rie Bro­sche appe­liert an die Erwach­se­nen stets das eigene Kind ganz indi­vi­du­ell in den Mit­tel­punkt zu stel­len und erin­nert dabei daran, dass die Kin­der bzw. die Jugend­li­chen noch mit­ten in der Ent­wick­lungs­phase ste­cken. … Ein Buch, das Mut macht und gleich­zei­tig daran erin­nert, dass nicht immer stän­dige pri­vate Übun­gen, Nach­hilfe und sons­tige För­der­pro­gramme zum Erfolg füh­ren und über­haupt not­wen­dig sind. Manch­mal kann Ver­ständ­nis für das Kind und seine momen­ta­nen Pro­ble­men viel mehr brin­gen und der Schlüs­sel zum Erfolg sein.” (Quelle, siehe Link oben)

Ich werde mir das Buch mal bestel­len. ;-)

Der auf­le­gende Kösel-Verlag bie­tet eine Lese­probe an. Dane­ben fin­den sich auch wei­tere Leser­stim­men und Kri­ti­ken zum Buch.

Inhalt­lich zum Buch pas­sen scheint auch der Vor­trag von Gerald Hüther: Gelas­sen­heit hilft

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